Prien: Ergebnisse "besorgniserregend":Neuer Pisa-Schock: Wie Politik und Experten reagieren
Noch nie schnitten deutsche Schüler bei einer Pisa-Studie so schlecht ab wie in diesem Jahr. Politiker und Experten sind besorgt und machen Lösungsvorschläge.
Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften: In der neuen Bildungsstudie Pisa schneiden Schülerinnen und Schüler in Deutschland so schlecht ab wie nie zuvor. Was sind die Ursachen?
08.09.2026 | 2:51 minBundesbildungsministerin Karin Prien hat die schlechten Ergebnisse Deutschlands im Schulleistungsvergleich Pisa als besorgniserregend bezeichnet. "Was wir heute sehen, ist ohne jeden Zweifel ein besorgniserregender Befund", sagte die CDU-Politikerin. Die Ergebnisse lägen im Trend anderer Bildungsstudien und überraschten nicht. "Es macht es keinen Deut besser, aber es ist nicht überraschend."
Prien: Aufstiegsversprechen funktioniert im Moment nicht
Die Bildungsministerin bezeichnete mehrere Punkte als beunruhigend: Der Kompetenzrückgang gehe im Trend nach unten, und die soziale Schere gehe weiter auf. Das sei ein Befund, der so nicht hinnehmbar sei. Das Aufstiegsversprechen im Land funktioniere im Moment nicht.
Sie wies zudem auf Verschlechterungen an beiden Enden des Leistungsspektrums an Schulen hin. "Wir schaffen es weder im unteren Leistungssegment noch im oberen Leistungssegment, dem Potenzial unserer Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden."
In der neuen Pisa-Studie schneiden Schülerinnen und Schüler so schlecht ab wie nie zuvor. „Wir haben ein echtes Problem bei leistungsschwachen Schülern“, so Bildungsforscher Olaf Köller.
08.09.2026 | 3:57 minIm neuen Pisa-Vergleich schneiden Schülerinnen und Schüler in Deutschland so schlecht ab wie nie zuvor. In Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften wurden in der Studie bei den getesteten 15-Jährigen "die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen erzielt".
Experte: Ungleichheiten häufig schon vor der Schulzeit
Pisa-Leiter Greiff sagte, es sei besonders besorgniserregend, dass immer mehr Jugendliche in Deutschland ausreichende Grundkompetenzen nicht erreichten. Etwa jeder Fünfte verfehle sie in allen drei Bereichen. Diese Jugendlichen hätten große Schwierigkeiten, einfache Informationen aus einem Text zu entnehmen oder mit Prozentrechnung zu prüfen, ob sich ein Rabatt in einem Geschäft wirklich lohne.
25 Jahre nach dem ersten PISA-Schock geht es für Deutschlands Schüler weiter bergab. Bildungsökonom Prof. Ludger Wößmann vom Ifo-Institut ordnet die neuen PISA-Ergebnisse im Interview ein.
08.09.2026 | 27:22 minLudger Wößmann, Leiter des Ifo-Instituts, zieht bei ZDFheute live einen Vergleich zum Jahr 2012, als die deutschen Pisa-Ergebnisse ihren Höchstwert erreichten. Der Unterschied im Leistungsniveau liege bei ungefähr zwei Schuljahren.
Die 15-Jährigen heute sind etwa auf dem Leistungsniveau der 13-Jährigen von vor 13 Jahren.
Ludger Wößmann, Leiter des Ifo-Instituts
Hinzu komme: In kaum einem anderen OECD-Staat oder EU-Land prägten die familiären Voraussetzungen den Bildungserfolg weiterhin so stark wie in Deutschland. Gründe dafür sind laut Wößmann die frühe Schulteilung und die späte gezielte Förderung von Kindern. "Die Ungleichheiten entstehen häufig schon vor der Schulzeit", so Wößmann.
Die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, die bayerische Kultusstaatsministerin Anna Stolz (Freie Wähler), sieht die Grundlagen für eine Trendumkehr bereits gelegt. "Wir fangen nicht bei null an - im Gegenteil: Die Länder haben bereits wichtige Maßnahmen auf den Weg gebracht", kommentierte Stolz die Ergebnisse. "Wir stärken die Basiskompetenzen, setzen früher und gezielter bei der Förderung an und entwickeln die Qualität unseres Unterrichts datengestützt weiter."
Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften stehen im Mittelpunkt von Pisa-Tests. Die internationale Studie untersucht, wie 15-Jährige ihr Wissen anwenden - Details zur Durchführung.
08.09.2026 | 0:46 minStreeck macht Social-Media-Nutzung mitverantwortlich
Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, forderte angesichts der Pisa-Ergebnisse erneut Einschränkungen bei der Nutzung sozialer Medien.
Wie viel wissenschaftliche Evidenz brauchen wir eigentlich noch, bevor wir handeln?
CDU-Politiker Hendrik Streeck
"Es geht nicht darum, Kinder den Zugang zu sozialen Medien komplett zu verbieten. Es geht darum, sie vor ungeeigneten Inhalten, manipulativen Mechanismen, problematischem Konsumverhalten und einer Nutzung in schädlichem Ausmaß zu schützen."
Die Pisa-Studie verzeichnet schlechte deutsche Ergebnisse. Eine politische Lösung bedeute eine gemeinsame Kraftanstrengung verschiedener Akteure, so Bildungsministerin Karin Prien.
08.09.2026 | 4:39 minLinken-Politikerin Reichinnek fordert Kehrtwende
Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Jasmina Hostert, wertete die Pisa-Ergebnisse als klaren Handlungsauftrag, um Bildungsqualität und Bildungsgerechtigkeit voranzubringen. "Gerade dort, wo soziale Benachteiligungen besonders stark wirken, braucht es gezielte Förderung und gut ausgestattete Bildungseinrichtungen", so Hostert. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge wertete die Zahlen zur Bildungsgerechtigkeit als "besonders erschreckend". Es müsse schon in der Kita der Grundstein gelegt werden.
Die Vorsitzende der Linken-Fraktion im Bundestag, Heidi Reichinnek, forderte eine Kehrtwende in der Bildungspolitik: mehr Personal in Kitas und Schulen und ein verbesserter Betreuungsschlüssel. "Kinder und ihre Stärken müssen im Zentrum der Bildung bestehen, nicht Bulimie-Lernen und Druck", so Reichinnek auf ZDFheute-Anfrage.
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